"Glücksproduktion am laufenden Band"

Artikel vom 15.08.2011 - (Mittelbayerische Zeitung / Oberpfalz & Bayern) von Heike Sigel

Ralph Schäfer besitzt die größte Glückskeks-Backmaschine Europas. Manchmal versteckt er sogar Liebesbriefe in den Keksen.

Ein „Glückspilz“ ist Ralph Schäfer auf jeden Fall. Besser tituliert man ihn aber als „Glückskeks“. Im doppelten wahrsten Sinne des Wortes: Zum einen, weil er im Jahr 2002 mit dem Kauf der größten Glückskeks-Backmaschine Europas eine gute Investition getätigt hat, zum anderen, weil sich der Geschäftsmann aus Bad Abbach seitdem beruflich ständig mit Lebensweisheiten zum Thema Glück beschäftigen darf. Die Sprüche in seinen Keksen stammen zum Großteil von ihm selbst. Diktiergeräte liegen überall parat. „Ich habe auch eines auf der Toilette“, gibt der 54-Jährige zu. Keine Idee soll ihm verloren gehen, schließlich braucht er pro Auftrag an die 600 verschiedene Statements.

Glueckskeks Bayern

Seine Firma „Schäfer’s süße Werbung“ hat der Unternehmer 1986 gegründet und dort zunächst nur Bonbons oder Gummibären veredelt. Weil ihm die Glückskekse seines bisherigen Lieferanten nicht schmeckten, entschied er sich, das Gebäck selbst zu produzieren.

Glückskekse sind Verkaufsschlager

Eine Million Stück und mehr verlassen in guten Monaten das Förderband. Die Keksproduktion macht inzwischen 70 Prozent des Firmenumsatzes aus, obwohl die Wirtschaftskrise auch vor Glückskeksen nicht Halt macht. „Wir haben heute immer noch nicht den Umsatz von vor der Krise 2008 erreicht“, so Schäfer, der sich trotzdem optimistisch gibt.

Dann räumt er erstmal mit einem Ammenmärchen auf: „In China werden weder Glückskekse verteilt noch produziert.“ Er geht davon aus, dass der Glückskeks zu Zeiten des Eisenbahnbaus in Amerika von den chinesischen Arbeitskräften erfunden wurde. In den USA sei das Gebäck auch heute noch sehr populär.

Der Unternehmer beliefert auch keine Chinarestaurants, sondern vor allem Firmenkunden, die mit einer witzigen Idee und guten Sprüchen auf sich aufmerksam machen wollen. Im Wahlkampf warb zum Beispiel die FDP mit dem Slogan „Jahrelanger Stillstand durch die große Koalition reicht – FDP wählen“. Banken verstecken Gutscheine über Geldbeträge in den Knabbereien, damit Kunden ein Konto bei ihnen eröffnen. Eine Firma, die Hochzeiten organisiert, ordert regelmäßig „Glück-in-der-Liebe“ oder „Amore“-Kekse. Darin finden sich dann Botschaften wie: „Die wesentlichen Stunden sind die, in denen wir liebten!“ von Wilhelm Busch. Es gibt eine „Happy Birthday“- und eine „Scherzkeks“-Edition mit Blondinen-Witzen. Für die Erotikserie von Beate Uhse dagegen werden Sprüche verwendet, die nicht unbedingt jugendfrei und druckreif sind.

Heiratsantrag im Glückskeks

Natürlich erfüllt Ralph Schäfer auch kuriose Privatkunden-Wünsche: „Wir haben schon XXL-Kekse gebacken, in denen ein Liebesbrief oder ein Heiratsantrag versteckt waren.“ Er möchte mit seinem Produkt positive Assoziationen wecken. „Vor allem die holde Weiblichkeit erwartet doch, dass was Tolles passiert, wenn sie so einen Keks aufbricht.“

Botschaften in allen Sprachen

Nicht selten verstehen die insgesamt neun Mitarbeiter des Bad Abbacher Unternehmens nicht, was auf den winzigen Zettelchen in fremder Sprache so alles draufsteht, denn geliefert wird weltweit. Nur, wie gesagt, in China kennt man Glückskekse nicht. „In Shanghai haben die Leute sogar das Papier mitgegessen, weil sie mit Glückskeksen einfach nichts anfangen konnten“, erzählt Schäfer, der seine Süßigkeit „Bavarian Lucky Keks“ getauft hat.

Die bayerischen Glückskekse sollen aber nicht nur hübsch aussehen, sondern auch gut schmecken. Es gibt sie in vielen Farben und Geschmacksrichtungen: Den Erdbeerkeks, den Cappuccino-Keks, oder zu Weihnachten den Zimt-Glückskeks. Die Grundbackmischung besteht hauptsächlich aus Zucker, Mehl und Wasser. Die Gesamtrezeptur verrät Ralph Schäfer nicht. In einer riesigen Rührmaschine werden bis zu 80 Liter Teig auf einmal vorbereitet, bevor die Maschine kleine Pfannkuchen mit etwa zehn Zentimetern Durchmesser bäckt. Die Sprüche-Zettel werden mit Luftdruck angesaugt und auf die noch formbaren Fladen verteilt. Erst danach bekommen sie ihre typische Form und die individuelle Verpackung.

Obwohl die Kekse nur sieben Gramm wiegen, sind die Botschaften in ihrem Inneren nicht immer leichte Kost. „Ein Wort ist ein Tropfen, ein Buch ist ein Meer“, lautet Ralph Schäfers Lieblingsspruch.

Link zum Artikel (www.mittelbayerische.de)

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